Welche Bäume eignen sich für Selbstversorger?

Viele Menschen träumen davon, einen Teil ihrer Ernährung direkt aus dem eigenen Garten zu gewinnen. Obstbäume und essbare Gehölze sind dabei besonders wertvoll, weil sie über viele Jahrzehnte hinweg Erträge liefern können, ohne dass Du jedes Jahr neu säen oder pflanzen musst. Ein einmal gut gesetzter Baum kann Dich und Deine Liebsten über Generationen hinweg mit Früchten, Nüssen oder Blättern versorgen.
Besonders spannend ist: Selbstversorgung bedeutet nicht nur Obst ernten. Viele Baumarten liefern auch essbare Blätter, Blüten oder Knospen, die in der modernen Küche oft vergessen werden. Wenn Du Deinen Garten vielfältig gestaltest, entsteht nach und nach ein kleines essbares Ökosystem.
Wenn Du Bäume für die Selbstversorgung pflanzen möchtest, lohnt es sich, auf mehrere Dinge zu achten: Neben einem sonnigen Standort ist vor allem die Sortenwahl entscheidend. Viele Obstbäume tragen nur dann gut, wenn sich mindestens zwei Exemplare gegenseitig bestäuben können. Informiere Dich deshalb vorher, ob Deine gewählte Baumart einen Befruchtungspartner benötigt.
Auch die Erntezeit spielt eine Rolle. Ideal ist es, Baumarten so zu kombinieren, dass Du von Frühling bis Herbst laufend ernten kannst – zum Beispiel Kirschen im Frühsommer, Pflaumen im Spätsommer und Nüsse im Herbst.
Vielleicht kannst Du auch verschiedene Ebenen kombinieren und neben Bäumen auch einige Sträucher pflanzen?
Inhaltsverzeichnis
Apfelbaum
Malus domestica
Apfelbäume sind wahrscheinlich die bekanntesten und verbreitetsten Obstbäume im deutschen Sprachraum. Sie sind in jeder Stadt und in jedem Dorf zu finden, auch da sie ziemlich einfach und unkompliziert zum Bewirtschaften sind. Apfelbäume gibt es in unzähligen Sorten und Variationen. Und es gibt genauso vielfältige Möglichkeiten, Äpfel in Deine Ernährung zu integrieren. Die reifen Äpfel kannst Du im Herbst ernten.
Ein großer Vorteil von Apfelbäumen ist ihre enorme Vielfalt: Es gibt Sorten für frischen Verzehr, zum Backen, für Apfelsaft oder zur Lagerung über den Winter. Wer mehrere Apfelsorten pflanzt, kann die Erntezeit deutlich verlängern. Besonders alte Sorten gelten zudem oft als robuster und besser verträglich.
Edelkastanie
Castanea sativa, auch Esskastanie und Echte Kastanie
Die Edelkastanie ist ein vielversprechender Baum für Selbstversorger, da er große Erträge bei wenig Aufwand liefern kann. Er galt auch während vielen Jahrhunderten als Brotbaum der Armen. Seine Nüsse kannst Du frisch verwenden, beispielsweise indem Du sie im Ofen bäckst. Du kannst sie aber auch trocken, wodurch sie für viele Jahre haltbar sind. Aus Edelkastanien kannst Du auch Mehl für Süßspeisen oder Brot herstellen. Edelkastanien kannst Du auch schroten und als Polenta essen. Edelkastanien können durch die zunehmend trockenen Sommermonate zu einem interessanten Baum werden, da er sowohl winterhart wie auch trockentolerant ist.
Die Nüsse sind ab Oktober erntereif und können leicht vom Boden geerntet werden.
Edelkastanien sind nicht nur nahrhaft, sondern auch kulturgeschichtlich spannend: In vielen Regionen Südeuropas waren Kastanien über Jahrhunderte hinweg ein Grundnahrungsmittel. Ihre Früchte enthalten viele Kohlenhydrate und eignen sich hervorragend als sättigende Herbstmahlzeit – besonders für Selbstversorger mit größerem Grundstück.
Feigenbaum
Ficus carica
Feigenbäume gehören zu den ältesten Kulturpflanzen der Erde, sind im deutschen Sprachraum allerdings noch relativ selten. Feigenbäume können aber auch hier eine reiche Ernte bringen. Insbesondere durch die zunehmend heißen Sommermonate können Feigen in Zukunft ein wertvoller Beitrag für unsere Ernährung sein. Feigen können gekocht oder roh gegessen werden.
Feigenbäume brauchen einen warmen Standort, zum Beispiel an einer Hauswand oder in einem geschützten Innenhof. Dort können sie auch in Deutschland zuverlässig Früchte bilden. Feigen lassen sich frisch genießen, aber auch trocknen oder zu Marmelade verarbeiten. Damit eignen sie sich ideal für eine mediterrane Ergänzung im Selbstversorgergarten.
Ginkgo
Ginkgo biloba
Ginkgo biloba ist einer der ältesten noch existierenden Baumarten überhaupt. Da er sehr trockenresistent ist, wird er vermehrt nun auch in unseren Städten angebaut. Was viele Menschen im deutschen Sprachraum nicht wissen, ist, dass seine Nüsse essbar sind. In Japan und China gelten sie als Delikatesse – sobald die Nüsse reif sind, ziehen die Menschen zum Sammeln aus. Wichtig ist: Die Früchte sind nicht essbar und die Nüsse müssen vorher gekocht oder geröstet werden.
Kirschenbaum
Prunus avium
Auch der Kirschenbaum gehört zu den traditionsreichen Obstbäumen im deutschsprachigen Raum. Die reifen Kirschen kannst Du zwischen Mai und Oktober ernten, je nach Sorte. Die meisten Kirschensorten kannst Du zwischen Frühling und Sommer ernten. Es gibt Süß- und Sauerkirschen, die jeweils unterschiedliche Verwendung in Deiner Ernährung finden können.
Kirschpflaume
Prunus cerasifera, auch Myrobalane
Kirschpflaumen und Mirabellen tragen leckere Früchte, die im Juli vor den meisten anderen Pflaumen reifen. Baum und Früchte sind relativ klein, meist kleiner als Pflaumen. Du kannst eine Kirschpflaume deshalb auch in eine Hecke pflanzen. Die Wildpflaumenarten sind anspruchslos und benötigen kaum Pflege, obwohl sie auch eine reiche Ernte erbringen können. Die Früchte können roh oder gekocht gegessen werden.
Maulbeeren
Morus nigra, Morus alba, Morus rubra und weitere
Maulbeeren gibt es in vielen verschiedenen Variationen und werden in China bereits seit über 4000 Jahren angebaut. Um hier kurz über diesen Baum zu schreiben, vereinfachen wir die Arten auf die Farben ihrer Früchte: Schwarze, weiße und rote Maulbeeren. Maulbeerbäume haben oft reiche Erträge über eine Zeitdauer von mehreren Wochen – bis zu mehreren Monaten. Die Reifezeit kann von Juli bis September dauern, wo laufend geerntet werden kann. Die Früchte können roh gegessen oder verarbeitet werden, sind aber nicht lagerfähig. Auch die Blätter können gekocht gegessen werden. Im Mittelmeerraum werden sie wie Weinblätter verwendet, um beispielsweise gekochten Reis einzuwickeln.
Pflaumen
Prunus domestica
Auch Pflaumenbäume gehören zu den Favoriten unter den Obstbäumen im deutschsprachigen Raum. Die Pflaume hat auch einige Unterarten: die Zwetschge (Prunus domestica subsp. domestica), die eng mit der Pflaume verwandt ist, die Mirabelle (Prunus domestica subsp. syriaca) und die Reneklode. Die Pflaumen kannst Du im Hoch- und Spätsommer ernten. Sie trägt aromatische und saftige Früchte.
Sanddorn
Hippophae rhamnoides
Sanddorn ist eine heimische Pflanze mit orangegelbe bis orangeroten Früchten, die sich durch einen besonders hohem Vitamin C-Gehalt auszeichnen. Je nach Sorte sind die Sanddornbeeren von Mitte August bis Mitte September erntereif. Die Ernte ist allerdings etwas umständlich, da die Beeren relativ klein und von Dornen geschützt sind. Als Strauch kannst Du den Sanddorn auch dort hinpflanzen, wo ein Baum zu wenig Raum hat und so Deinen Garten optimal nutzen.
Quittenbaum
Cydonia oblonga
Quittenbäume werden in Europa seit der Antike angebaut, sind allerdings mittlerweile eher ein Geheimtipp. Vielleicht werden sie nicht mehr so oft angepflanzt, weil ihre Früchte nicht roh gegessen werden können? Willst Du Quitten essen, musst Du sie zuerst kochen. Dann können sie zu Saft, Gelee oder Quittenbrot weiterverarbeitet werden. Die Quitten sind leuchtend gelb und im Oktober erntereif.
Walnussbaum
Juglans regia
Walnussbäume haben eine reiche Tradition im deutschsprachigen Raum, wurden seit dem 2. Weltkrieg aber immer seltener. Wer einen großen Garten in einer warmen Region hat, kann mit diesem Baum viel Nüsse ernten. Für kleine Gärten sind Walnussbäume nicht geeignet. Die Nüsse reifen im September und können geerntet werde, sobald sie zu Boden fallen. Bevor die Nüsse gegessen werden, sollten sie getrocknet werden.
Winter-Linde
Tilia cordata
Die Linde scheint auf den ersten Blick kein essbarer Baum zu sein. Auf den zweiten Blick kann sie aber viele wunderbare Nährstoffe für Selbstversorger liefern: Ihre Blüten liefern einen wunderbaren Tee. Im Frühling können ihre jungen Blätter in Salaten, Smoothies oder wie Spinat verwendet werden. Und ihre Knospen liefern wertvolle Stoffe (mehr Informationen dazu unter dem Stichwort Gemmotherapie). Und darüber hinaus liefern Lindenbäume hervorragende Bienenwiesen. Hast Du eine Linde in Deinem Garten, unterstützt das gleichzeitig das ganze lokale Ökosystem.
Gerade die Linde zeigt, dass essbare Bäume nicht immer klassische Obstbäume sein müssen. Ihre jungen Blätter sind mild und zart und können im Frühjahr wie Salat gegessen werden. Lindenblüten gehören zu den bekanntesten Heilpflanzen Europas und werden traditionell als Tee bei Erkältungen genutzt.
Wenn Du Selbstversorgung ganzheitlich denkst, ist die Linde außerdem ein Baum, der nicht nur Dir, sondern auch Bienen, Hummeln und vielen Insekten Nahrung bietet.
Bäume sind eine der nachhaltigsten Formen der Selbstversorgung. Sie benötigen nach dem Anwachsen oft nur wenig Pflege, liefern aber über Jahrzehnte hinweg Erträge. Besonders sinnvoll ist es, verschiedene Baumarten zu kombinieren: Obst für den Sommer, Nüsse für den Herbst und essbare Blätter oder Blüten für das Frühjahr.
Tipp: Beginne mit wenigen, robusten Arten und erweitere Deinen Bestand nach und nach. So kannst Du Erfahrungen sammeln und herausfinden, welche Bäume an Deinem Standort besonders gut wachsen. Mit der Zeit entsteht ein vielfältiger Selbstversorgergarten.
Schon ein einzelner Baum kann Deine Ernährung spürbar bereichern. Mit jedem zusätzlichen Gehölz wächst die Vielfalt in Deinem Garten und Du wirst Jahr für Jahr unabhängiger, saisonaler und näher an der Natur ernten können.
Falls Dich das Thema Selbstversorgung mit Bäumen interessiert, können wir Dir das Buch
„Einen Waldgarten erschaffen. Mit der Natur arbeiten, um essbare Pflanzen anzubauen.“ empfehlen.
Es wurde von Martin Crawford geschrieben, und erschienen bei OLV Fachverlag für Garten und Ökologie.
1 Gedanke zu „Welche Bäume eignen sich für Selbstversorger?“
Kommentare sind geschlossen.