Loading Baumretter
 
Baumpflege
5 Minuten

Praxiswissen: Boden

Der Boden ist für viele von uns eine unbekannte Welt. Wir bewegen uns zwar täglich auf ihm, essen Lebensmittel, die auf ihm wachsen und bearbeiten ihn vielleicht sogar auch selbst. Vielen von uns liegt das Thema «Boden» jedoch inhaltlich fern, wie «im Dunklen». Ohne Frage gehört der Boden zur Grundlage für alles Leben auf dieser Erde - auch für Bäume. Hier findest Du alle wichtigen Informationen zu Boden in Bezug auf Bäume.
Andreas H. Avatar
Andreas H.

Was ist Boden - und aus was besteht er?

Boden ist eine geheimnisvolle Mischung aus verwittertem Gestein, Wasser, Luft, organischer Substanz und Lebewesen. Boden ist irgendwie unfassbar. Allein unter der Fläche Deiner Fußsohlen gibt es mehr Bodenorganismen, als es Menschen auf der Erde gibt.

 

Die Definition von Boden der Bundesregierung lautet:

 

 

«Boden ist das mit Wasser, Luft und Lebewesen durchsetzte, unter dem Einfluss der Umweltfaktoren an der Erdoberfläche entstandene und im Laufe der Zeit sich weiterentwickelnde Umwandlungsprodukt mineralischer und organischer Substanzen mit eigener morphologischer Organisation, das in der Lage ist, höheren Pflanzen als Standort zu dienen. Dadurch ist der Boden in der Lage, eine Lebensgrundlage für Tiere und Menschen zu bilden.»

 

 

Das schauen wir uns etwas genauer an:

 

Der Boden bildet die oberste Schicht der Erde. Boden besteht etwa zu 45 % aus mineralischen Teilchen und zu je 25% aus Wasser und Luft. Die restlichen 5 % bestehen aus Pflanzen und Tieren. Die mineralische Substanz des Bodens entsteht aus der Verwitterung von Gestein und bildet den Hauptbestandteil der festen Bodensubstanz. Diese mineralische Substanz prägt auch die Art des Bodens. Beispielsweise entstehen aus Granit sandige und aus Basalt tonreiche Böden. Diese mineralische Substanz liefert die lebenswichtigen Mineralsalze für das Wachstum der Pflanzen. Die je 25% Wasser und Luft sind wichtig, damit der Boden von den Pflanzen durchwurzelt werden kann und ihnen ausreichend Wasser zur Verfügung steht. Boden ist von zahlreichen Hohlräumen (Poren) durchsetzt. Diese machen im Schnitt etwa 45 % des gesamten Bodenvolumens aus und nehmen damit wesentlich Anteil an seinen Funktionen und Eigenschaften. Die Poren sind von Bodenwasser (Feuchtigkeit) und der Bodenluft (Durchlüftung) gefüllt. Dadurch kommen im Boden alle drei Aggregatzustände nebeneinander vor: Fest, flüssig und gasförmig.

 

Boden erfüllt folgende wichtige Funktionen:

 

 

  • Er bildet die Grundlage, damit Pflanzen wachsen können. Pflanzen beziehen beispielsweise Nährelemente wie Stickstoff, Kalium, Phosphor aus dem Boden.
  • Sterben Pflanzen ab, werden sie von Bodenorganismen zersetzt, in verschiedene Humusformen umgebaut oder  mineralisiert. Diese Mineralien werden dann wieder von neuen Pflanzen benutzt.
  • Boden filtert Regenwasser und schafft dadurch sauberes Trinkwasser.
  • Böden sind der größte Kohlenstoffspeicher der Erde und speichern mehr Kohlenstoff als alle Wälder der Welt gemeinsam. Hier steckt ein gigantisches Potential: Durch biologische Landwirtschaft und alte Techniken wie Terra Preta können wir mehr Kohlenstoff im Erdreich speichern. Wichtig ist hier auch: Natürliche Vegetation enthält im Allgemeinen mehr organische Substanzen im Boden als Ackerland.
  • Böden bilden einen wichtigen Lebensraum für Mikroorganismen und kleine Tiere.

Boden, Bäume und Wurzeln

Bäume wurzeln im Boden. Sie verankern und stabilisieren sich in ihm und ziehen Wasser aus ihm. Ausserdem können sie Nährstoffe wie Stickstoff, Kalium und Phosphor aus dem Boden ziehen. Wurzeln sind zudem Produktionsstätte für einige pflanzliche Hormone.

Bäume verbinden sich durch Wurzeln mit dem Boden. Die durchwurzelte Fläche ist beachtlich. Oft erschließen die Wurzeln der Bäume eine deutlich größere Fläche als oberirdisch in der Krone.
Bäume entwickeln je nach Baumart drei verschiedene Grundwurzelsysteme: Pfahlwurzel-, Herzwurzel- oder Flachwurzelsystem. Aber auch Standort und zunehmendes Alter beeinflussen die Art der Wurzeln. Das Wurzelsystem einzelner Baumarten kann sich daher hinsichtlich der horizontalen und vertikalen Ausbreitung stark unterscheiden. Steht ein Baum auf einem nicht optimalen Standort, kann es beispielsweise zur Ausbildung eines extrem flachen Wurzelwerks kommen.

Ideal für Bäume sind die Böden in Laubwäldern. Diese können sie in der Regel nach Belieben durchwurzeln. Waldboden kann Wasser aufnehmen und speichern. Waldböden sind in der Regel durchlässiger, mit Mykorrhiza durchzogen und durch Vegetation beschattet.
Bäume in unseren Siedlungen müssen sich dagegen oftmals mit verdichteten oder versiegelten Böden abfinden. Sie können deshalb nicht richtig wurzeln und kommen unter Umständen nicht an die nötigen Nährstoffe, zusätzlich schränkt das verminderte Porenvolumen die Wasser- und Luftversorgung im Wurzelraum ein. Ihr Bodenvolumen wird meist durch die Größe der Pflanzgrube vorgegeben, da das Material außerhalb oft kaum durchwurzelbar ist.

Hier findest Du einen Artikel mit mehr Informationen zum Thema Wurzeln.

Das Wasser im Boden

Boden und Wasser hängen zusammen, schließlich bezieht der Baum das meiste Wasser über den Boden. Wie viel Wasser an einem Standort verfügbar ist, hängt wesentlich von drei Faktoren ab:

 

  • Niederschlag
  • durchwurzeltes Bodenvolumen
  • Bodenart 

Wieviel Wasser der Boden aufnehmen kann hängt wesentlich von der Korngrößenverteilung, dem Anteil an organischen Bestandteilen sowie davon ab, wie tief der Boden durchwurzelbar ist. Hat ein Boden viel organisches Material und ist gut durchwurzelbar, kann er mehr Wasser aufnehmen.

Sauerstoff im Boden

Böden enthalten in der Regel etwa 25%  Luft. Viele Prozesse im Boden laufen aerob ab, das heißt, dass dazu Sauerstoff benötigt wird. Sauerstoff muss deshalb ständig nachgeliefert werden. Dabei kommt der Struktur der obersten Bodenschicht eine wichtige Bedeutung zu: Sie steuert den Gasaustausch zwischen Atmosphäre und Wurzelraum. Ist der Boden verdichtet oder versiegelt, ist die Versorgung des Bodens mit Sauerstoff gestört und wichtige Prozesse können nur begrenzt stattfinden. 

Praxiswissen

Hier bekommst Du Praxistipps, wie Du einen guten Boden für Deine Bäume schaffen kannst.

Wir empfehlen, besonders junge Bäume  zu mulchen.

Mulch hat für Bäume grundsätzlich zwei kurzfristige Funktionen:

  • Mulch reduziert die Konkurrenzkräuter bei jungen Bäume. Junge Bäume ohne Konkurrenz können in ihren ersten Jahren im Vergleich bis zu doppelt so schnell wachsen wie solche ohne Unterdrückung der Konkurrenz.
  • verringert Mulch den Verlust von Bodenfeuchtigkeit im Sommer und erzeugt bessere Bodenbedingungen für die Baumwurzeln. Gleichzeitig schützt Mulch den Boden im Winter vor Frost.

Mulch bereichert auf lange Zeit auch die Bodenqualität. Die Erde unter der Mulchschicht bleibt eher locker und feucht. Mulch kann helfen, die Humusschicht zu bewahren – oder langsam aufzubauen.

Ältere Bäume benötigen keine Mulchschicht mehr. Hier kann es hilfreich sein, organisches Material wie Blätter im Wurzelbereich zu einem Haufen zusammen zu rechen. Das bietet einerseits ein kleines Ökosystem, gleichzeitig bleiben wichtige Nährstoffe im Wurzelbereich des Baumes.

Hier findest Du ausführliche Informationen zum Thema mulchen.

Wenn Du einen eigenen Garten hast, empfehlen wir Dir auch einen eigenen Kompost anzulegen. Diesen brauchst Du nicht unbedingt für Deine Bäume, aber er kann das gesamte Ökosystem im Garten bereichern. Wichtige Nährstoffe bleiben durch den Kompost im Gartensystem und können langsam und langfristig den Boden anreichern. In Deinen Kompost kannst Du beispielsweise Küchenabfälle oder organisches Material aus dem Garten geben. Der Humus, der daraus entsteht ist Superheld in Deinem Garten und Grundlage eines lebendigen, fruchtbaren Bodens, indem er Nährstoffe liefert, das Bodenleben anregt und für eine gute Bodenstruktur sorgt.

Mykorrhiza sind Pilzsysteme, die sich unterirdisch mit den Wurzeln von Pflanzen wie Bäumen verbinden und mit ihnen eine Symbiose eingehen. Die Vorteile dieser Symbiose sind für alle Beteiligten gross: Die Bäume erhalten durch das Pilzgeflecht Wasser und Nährstoffe wie beispielsweise Phosphor und Stickstoff. Mykorrhiza als unterirdisches, feinmaschiges Netzwerk kann das Nährstoff- und Wasservorkommen im Boden viel besser erschließen als die Wurzeln eines Baumes. Die Pilze bekommen dann im Gegenzug Zuckerverbindungen, da sie unter der Erde keine Photosynthese betreiben können. Übrigens sind die Pilze, die wir auf dem Waldboden sehen, die Fruchtkörper dieser weitverzweigten Mykorrhiza-Nerzwerke.

Mykorrhiza ist besonders in Wäldern relativ gut erforscht. Einen zentralen Beitrag leistete die kanadische Forstwissenschaftlerin Susanne Simard. Sie nannte das Mykorrhiza-Netzwerk auch wood-wide-web, über das auch Bäume untereinander Nährstoffe austauschen. Die Symbiose mit Mykorrhiza lässt ein Baum besser wachsen und macht ihn resistenter gegenüber Trockenheit. Ausserdem schützt Mykorrhiza den Baum vor Wurzelpathogenen und oberirdischen Schädlingen wie beispielsweise Blattläuse.

Mykorrhiza kannst Du mittlerweile auch einfach in Deinem Garten integrieren. Wenn Du Dich entscheidest, Mykorrhiza in Deinem Garten einzusetzen findest Du hier mehr Informationen dazu.

Hier haben wir einen kurzen Praxistext zum Thema Düngen.

Wir empfehlen, auf synthetische Gifte und mineralische Dünger zu verzichten. Kurzfristig scheinen solche Hilfsmittel eine positive Wirkung zu haben. Auf lange Zeit wirst Du ohne diese Mittel einen besseren Boden mit mehr Bodenlebewesen haben. Ausserdem sind Pflanzen, die sich die Nährstoffe des Bodens selbst erschliessen müssen vitaler und haben einen größeren Wurzelraum als solche, die über Mineraldünger „gefüttert werden“.

Andreas H. Avatar
Andreas H.
Baumexperte und Dipl. Kulturanthropologe
Hat dir gefallen?
Teile den Artikel und inspiriere noch mehr Menschen!
  • Facebook Icon
  • Twitter Icon
  • Linkedin Icon
arrow
baum
baum
Wir sind viele
So erreichst du uns
service@baumretter.de