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Praxiswissen: Trockenstress bei Bäumen

Trockenstress bei Bäumen ist ein Thema, das in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen hat. Besonders in den Sommermonaten 2018, 2019 und 2020 waren viele Bäume im deutschen Sprachraum von Trockenstress betroffen. Viele Bäume mussten deshalb gefällt werden. Schliesslich ist das Thema Trockenstress ein Grund, warum der Verein baumretter entstanden ist: Es wurde in den letzten Jahren deutlich, dass Bäume unsere Unterstützung brauchen! Hier findest Du alle wichtigen Informationen zum Thema Trockenstress und wertvolles Wissen, wie Du Bäume in heißen und trockenen Tagen unterstützen kannst!
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Andreas H.

Von Trockenstress spricht man, wenn einem Baum nicht ausreichend Wasser zur Verfügung steht, um seinen Bedarf zu decken. Das kann während längerer Hitze- und Trockenperioden geschehen, aber auch dann, wenn grundsätzlich Wasser im Boden vorhanden ist, die Wurzeln es jedoch nicht ausreichend aufnehmen können.

Entscheidend ist deshalb nicht allein die Niederschlagsmenge. Auch die Bodenbeschaffenheit, der verfügbare Wurzelraum, die Baumart, das Alter des Baumes und die Verdunstung beeinflussen, wie gut ein Baum mit einer Trockenperiode zurechtkommt.

Besonders problematisch wird es, wenn Trockenperioden über längere Zeit anhalten oder sich über mehrere Jahre wiederholen. Ein Baum kann eine einzelne Trockenphase möglicherweise gut überstehen, durch wiederkehrenden Wassermangel jedoch zunehmend geschwächt werden.

Trockenstress. Welche Bäume sind betroffen?

Grundsätzlich können in heißen Sommermonaten alle Bäume von Trockenstress betroffen sein, auch Bäume in den Wäldern. Wegen höheren Durchschnittstemperaturen, zusätzlicher Schadstoffbelastung sowie verdichteten oder versiegelten Böden leiden Stadtbäume allerdings viel stärker an Trockenstress als ihre Verwandten in den Wäldern.
Dabei haben es unter den Stadtbäumen die Straßenbäume besonders schwer. Sie haben die größten standortgebundenen Stressfaktoren: Ihr Wurzelraum ist besonders stark eingeschränkt und verdichtet. Und im Winter kommt Streusalz dazu. Der deutsche Forstwissenschaftler Prof. Dr. Andreas Roloff geht davon aus, dass Straßenbäume eine Lebenserwartung haben, die nur bei etwa 25% der durchschnittlichen Lebenserwartung anderer Bäume derselben Art liegt. Besonders diese Bäume benötigen in den heißen Sommermonaten Unterstützung! Aber auch Bäume in Privatgärten oder Parkanlagen können von Trockenstress betroffen sein.

Trockenstress: Mangel an Wasser

Wasser ist für Bäume zentral. Fast alle wesentlichen biochemischen Reaktionen sind nur im wässerigen Milieu möglich. Fehlt es an Wasser, können sich Bäume nicht effizient gegen Schädlinge zur Wehr setzen. Fehlt es an Wasser, können Bäume auch keine Fotosynthese machen. Ohne Fotosynthese gibt es auch keine Zuckermoleküle, mit deren Energie die Bäume neue Blätter, Triebe oder Früchte produzieren können. Das Wasser wird dabei hauptsächlich verbraucht, weil das Kohlendioxid, der Ausgangsstoff für die Fotosynthese, nur dann aufgenommen werden kann, wenn die Spaltöffnungen (Stomata) geöffnet sind. Durch diese Spaltöffnungen verdunstet viel Wasser.

 

Wenn den Bäumen nun das nötige Wasser fehlt, schliessen sie als erste Reaktion ihre Spaltöffnungen und pausieren damit mit Fotosynthese. Dadurch verdunstet viel weniger Wasser. Hilft diese Sofortmaßnahme nicht genug, helfen sich einige Baumarten zusätzlich dazu mit Blatthängen oder Blatteinrollen, um die Einstrahlung zu vermindern. Andere Bäume fangen an, mit ihren Blättern zu Zittern oder zu Wedeln (wie beispielsweise die Zitter-Pappel oder der Spitzahorn). Wenn der Wassermangel noch ernsthafter wird, fangen einige Bäume an, Blätter abzuwerfen, um die Transpirationsfläche zu vermindern. Einige Bäume werfen auch einzelne Zweige ab.
Dauert Wassermangel länger an, können Teile von Kronen und Wurzeln absterben. Der Baum opfert einige Teile, kann dann aber vielleicht weiterleben und später wieder neue Triebe bilden. Allerdings sinkt durch eine solche Veränderung der Kronenarchitektur auch die Fähigkeit der Bäume, Wasser zu ihren Blättern zu transportieren. Sie werden dann anfälliger für weitere Folgeschäden.
Durch Trockenheit werden Bäume auch anfälliger für Krankheiten und Schädlinge (wie beispielsweise Pilze und Borkenkäfer). Schliesslich sterben Bäume auch einfach ab, wenn sie zu wenig Wasser haben. Manchmal sterben Bäume erst einige Zeit nach einer längeren Trockenperiode ab. Manchmal sind Schädlinge die Ursache, oft lässt sich keine bestimmte Ursache für das Absterben feststellen.

 

Forscher haben herausgefunden, dass ein einzelner Baum in einem Wald in Nord Caroline zwischen 200 und 400 Liter Wasser jeden Tag verdunstet!

  • Ausgetrocknete, hängende, eingerollte oder gefaltete Blätter. Dazu einige Beispiele: Rot-Buche und Baum-Hasel rollen ihre Blätter ein, die Vogel-Kirsche lässt ihre Blätter hängen und die Robinie faltet ihre Blätter zusammen.
  • Blattwedeln oder -zittern. Beispiele: Spitz-Ahorn und Zitter-Pappel.
  • Abwurf von Blättern
  • Abwurf von Zweigen. Beispielsweise: Eichen, Pappeln und Weide.
  • Ausbildung von deutlich kleineren Blättern.
  • Bildung von übermäßig vielen und kleinen Früchten.
  • Werden Bäume bewässert, erfolgt oftmals eine sofortige Erholung
  • Jahreszeit der Trockenphase

Problematisch ist eine Trockenphase im Frühling. In dieser Zeit benötigen die Bäume viel Wasser, um sich für das Jahr vorzubereiten. Problematisch ist auch Trockenheit im Sommer. In Herbst und Winter sind trockene Perioden für die Bäume unproblematisch.

  • Standort

Bäume, die auf verdichteten oder versiegelten Böden stehen, geraten schneller in Trockenstress, da ihr Wurzelbereich weniger Wasser speichern kann. Bäume in Parkanlagen, naturnahen Gärten oder Wäldern haben mehr in der Regel mehr Wasserkapazität in ihren Böden. Hilfreich gegen Trockenstress ist auch, wenn sich mehrere Bäume gegenseitig beschatten können.

  • Wiederholung und Dauer
  • Dauert eine Trockenperiode bis zu vier Wochen, können die meisten Bäume gut damit umgehen. Dauert sie zwei bis drei Monate, ist sie für viele Bäume kritisch. Je öfters Trockenperioden in einer Vegetationsperiode auftreten, desto schwieriger wird es für die Bäume.
  • Baumalter
    Junge Bäume sind am anfälligsten für Trockenstress, da sie mit ihren Wurzeln nicht an tiefere Schichten kommen. Altbäume sind in der Regel am wenigsten anfällig.
  • Baumart
    Baumarten sind unterschiedlich resistent gegen heisse und trockene Phasen. Es lohnt sich deshalb, in Zukunft bei der Auswahl der Baumart auf diesen Faktor einzugehen. Hier ein Artikel dazu.
  • Zusätzliche Stressfaktoren
    Neben Hitze und Trockenheit verstärken auch Strahlung und Ozon die Intensität von Trockenstress.

Bei Trockenstress ist es vor allem wichtig, die Bäume ausreichend und adäquat zu bewässern. Hier findest Du unsere Giessempfehlungen für Bäume.

Die beste Hilfe bei Trockenstress beginnt, bevor ein Baum sichtbare Symptome zeigt. Entscheidend ist, möglichst gute Bedingungen dafür zu schaffen,  dass der Boden Wasser aufnehmen und speichern kann und die Wurzeln ausreichend Raum zur Verfügung haben.

Eine wichtige Maßnahme ist der Schutz des Bodens vor Austrocknung. Eine Mulchschicht aus Laub, Holzhäckseln oder anderem geeigneten organischen Material reduziert die direkte Verdunstung an der Bodenoberfläche und schützt den Boden gleichzeitig vor starker Erwärmung. Langfristig kann organisches Material außerdem den Humusaufbau und das Bodenleben unterstützen.

Ebenso wichtig ist es, Bodenverdichtung im Wurzelbereich zu vermeiden. Verdichtete Böden besitzen weniger Poren, wodurch sich sowohl der Luft- als auch der Wasserhaushalt verschlechtern kann. Gerade bei Stadtbäumen ist dies ein häufiges Problem.

Auch eine möglichst große und unversiegelte Baumscheibe verbessert die Bedingungen für den Baum. Regenwasser kann leichter in den Boden gelangen und der Gasaustausch zwischen Boden und Atmosphäre wird weniger eingeschränkt.

Während längerer Trockenperioden sollte schließlich nicht erst gewartet werden, bis der Baum deutliche Schäden zeigt. Besonders junge und frisch gepflanzte Bäume sollten regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf frühzeitig und durchdringend bewässert werden.

Wichtig ist auch die Auswahl für Bäume.

Der Dendrologe Prof. Dr. Andreas Roloff schreibt:

«In den nächsten Jahrzehnten ist mit einer grundlegenden Klimaänderung zu rechnen, die auf langlebige Organismen wie Bäume deutliche Auswirkungen haben wird und daher auch schon heute bei Fragen der Gehölzverwendung zu berücksichtigen ist. Infolge der erwarteten bzw. prognostizierten Erderwärmung wird es vermehrt zu Trockenstress-Schäden an Stadtbäumen kommen. Dabei verschärft sich die Situation bei Stadtbäumen noch durch das schon von vornherein extremere Stadtklima und durch den oft eingeengten oder problematischen Wurzelraum»

Wir haben eine Liste mit Bäumen, die mit dem Klimawandel gut zurecht kommen.

Nach einem kräftigen Regen oder einer Bewässerung können sich hängende Blätter teilweise erstaunlich schnell wieder aufrichten. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass der Trockenstress für den Baum ohne Folgen geblieben ist.

 

Wie gut sich ein Baum erholt, hängt unter anderem davon ab, wie lange und intensiv der Wassermangel war, welche Teile des Baumes betroffen waren und wie vital der Baum vor der Trockenperiode war.

 

Bei starkem Trockenstress können beispielsweise Feinwurzeln, Blätter oder einzelne Zweige geschädigt worden sein. Der Baum muss anschließend Energie investieren, um beschädigte Strukturen zu ersetzen und neue Wurzeln oder Triebe zu bilden.

 

Besonders problematisch können wiederkehrende Trockenjahre sein. Hat sich ein Baum von einer Trockenperiode noch nicht vollständig erholt, kann die nächste Belastung auf einen bereits geschwächten Organismus treffen.

 

Deshalb lohnt es sich, einen Baum auch nach einer Trockenperiode weiter zu beobachten. Wie entwickelt sich die Krone im folgenden Frühjahr? Bildet der Baum ausreichend neue Triebe und Blätter? Gibt es abgestorbene Äste oder Bereiche der Krone?

Bei starken oder zunehmenden Schäden – insbesondere bei großen Bäumen im Bereich von Wegen, Straßen oder Gebäuden – sollte eine fachkundige Person den Baum beurteilen.

Weiterführende Informationen

Mehr Informationen zu Trockenstress findest Du im Buch von Andreas Roloff. Das meiste Wissen für diesem Artikel stammt aus dieser Quelle. Vielen Dank für die Publikation solch fundierter und wertvoller Bücher!

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Andreas H.
Baumexperte und Dipl. Kulturanthropologe
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