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Baumportraits
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Weißtanne. Ein Baumportrait.

Weisstanne, Abeis alba, auch Edeltanne
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Andreas H.

Die Weißtanne war in den Wäldern der deutschsprachigen Länder ein Baum mit großer Verbreitung und Bedeutung. Im Lauf der letzten 200 Jahren wurde sie allerding erheblich zurückgedrängt. In der Forstwirtschaft wurde sie vermehrt durch die Fichte ersetzt. Außerdem gilt die Weißtanne als immissionsempfindlichste einheimische Baumart. Durch die angestiegenen Immissionen wird heute nördlich der Alpen von einem regelrechten „Tannensterben“ gesprochen. Mittlerweile gehört die Weißtanne in Deutschland zu den seltensten heimischen Baumsorten. Größere Tannenmischwälder sind heute noch im Schwarzwald, in Bayern und den Vogesen zu finden. In der Schweiz macht die Weißtanne noch 13% des Waldbestandes aus. Die Weißtanne ist Baum des Jahres 2004.

Die Weißtanne ist ein immergrüner und einstämmiger Baum und gehört zur Familie der Kiefergewächsen.  Vielen Menschen fällt es schwer, die Tanne und die Fichte zu unterscheiden. Am einfachsten können diese an ihren Zapfen unterschieden werden. Die Zapfen der Fichte hängen vom Zweig nach unten, während die Zapfen der Tanne aufrecht am Zweig wachsen. Ein weiterer Unterschied zeigt sich an den Zweigen: Bei der Fichte wachsen die Nadeln rund um den Zweig herum, während bei der Tanne die Nadeln immer nur in zwei Reihen an beiden Seites des Zweiges wachsen.

Weißtanne Herkunft:

Die Weißtanne ist in Europa heimisch.

Weißtanne Wuchs:

Die Weißtanne kann bis zu 65 Meter hoch werden. Damit ist sie die größte heimische Baumart. Ihr Stamm kann einen Durchmesser von zwei Meter erreichen. Wegen ihrer Größe wird die Weißtanne wird auch als „Königin der Nadelbäume“ genannt.

Weißtanne Blüte:

Die Weißtanne hat Blüten von Mai bis Juni.

Weißtanne Blatt:

Die Weißtanne hat immergrüne Nadeln.

Weißtanne Früchte:

Im Unterschied zur Fichte wachsen die Zapfen der Weißtanne nach oben. Im Gegensatz zu den Fichten und Kiefern fallen die Zapfen der Tanne nicht als Ganzes vom Baum fallen, sondern lösen sich schichtweise vom Kern.  

Weißtanne Varietäten:

Je nach taxonomischer Auffassung gibt es entweder 40 oder 47 Arten von Tannen. Die Weißtanne ist die einzige heimische Art der Gattung Tannen (Abies).

Weißtanne Pflege

Tannen benötigen wenig Pflege. Empfohlen wird eine Mulchschicht, damit die Feuchtigkeit im Boden bleibt. Einmal verwurzelt, sollte eine Tanne nicht mehr verpflanzt werden.

Weißtanne Standort:

Junge Weißtannen sollten nicht isoliert stehen. Für ältere Weißtannen ist ein isolierter Standort unproblematisch.

Weißtanne Gießen:

Besonders junge Weißtannen benötigen das ganze Jahr eine gute Bodenfeuchtigkeit. Deshalb lohnt es sich, junge Bäume von Frühjahr bis in den Herbst regelmäßig zu gießen. An heißen Sommertagen profitieren auch ältere Bäume von zusätzlichem Wasser. Falls Sie eine Weißtanne in Ihrem Garten haben, empfiehlt sich die Bewässerung mit einem Bewässerungssack, da dieser Feuchtigkeit über eine längere Zeitdauer abgibt.

Weißtanne Winter:

Junge Weißtannen sind spätfrostempfindlich. In den ersten Jahren benötigt sie deshalb einen Winterschutz und sollten nicht isoliert stehen.

Weißtanne Vermehren:

Die Weißtanne vermehrt sich ausschließlich durch Samen. Eine Vermehrung durch Samen ist bei der Weißtanne relativ einfach.

Weißtanne Krankheiten:

Die Weißtanne wird von mehreren Pilz- und Insektenarten angegriffen. Sie ist außerdem immissionsempfindlich.

Weißtanne Schädlinge:

  • Weißtannen werden vom Borkenkäfer bedroht. Zuerst befällt dieser den Kronenbereich von Bäumen, die durch Trockenheit, Immissionen oder anderen Stressfaktoren geschwächt sind und dringt dann stammabwärts weiter vor. Befallene Bäume sind durch Harztropfen und später auch durch feines Bohrmehl an abgestorbenen Ästen zu erkennen.
  • Der Pilz Armillaria mellea, dieser befällt hauptsächlich geschwächte Bäume.
  • Im Unterschied zu Fichten werden Weißtannen auch gerne von Reh- und Rotwild angefressen.
  • Der Pilz Hallimasch lässt Tannen jeden Alters absterben.

Tipp vom Baumexperten:

Die Äste von Weißtannen sind eine ideale Winterabdeckung für viele Pflanzen. Wedel aus Weißtannen dämmen gut, versauern aber nicht den Standort.

Nutzen und Verwendung der Weißtanne

Da die Tanne schon seit jeher in unserem Kulturkreis vorkommt, gibt es eine reichhaltige Tradition zu Verwendung und Nutzen.

Weißtanne in der Medizin:

Von der Tanne wurde hauptsächlich das Harz zu Heilzwecken verwendet. Dieses Harz wurde auch als „Elsässer Terpentin“ bezeichnet. Es war durch seine antiseptische Wirkung in Salben und Pflastern enthalten. Weiter wurden die frischen Triebe wegen ihres hohen Gehalts an ätherischen Ölen zum Heilen verwendet. Sie wirken auswurfsfördernd, lungenstärkend und nervenstärkend. Tannentee kann zur Inhalation zubereitet werden.  Da schon der Duft einer lebenden Tanne stärkend wirken kann, empfahl bereits Pfarrer Kneipp, sich ein solches Bäumchen ins Zimmer zu stellen. 

Weißtanne in der Ernährung:

Bekannt ist der Tannenhonig. Das mag verwirren, da die Weißtanne keinen Nektar produziert. Die Bienen sammeln Zucker, der von Blattläusen aus den Nadeln gesogen und dann ausgeschieden wurde. Im Mittelalter gab es auch Tannenbier.

Weißtanne und Wellness:

Die Inhaltsstoffe der Nadeln werden gerne als Zusatz für Kräuterbäder verwendet.

Weißtanne und Dekoration:

Tannenzweige sind beliebter Schmuck für die Wohnung, besonders in der kalten Jahreszeit.

Weitere Nutzung der Weißtanne

Tannenholz wurde wegen seiner guten Spaltbarkeit zur Herstellung von Schindeln benutzt. Weiter wird es für Innenausbauten sowie für einfache Böden und Möbel benutzt. Heute wird es in der Zellstoff- und Papierindustrie sowie als Rohstoff für Faserplatten verwendet. Für die Verwendung ist bedeutsam, dass Tannenholz viel langsamer austrocknet als Fichtenholz. Der deutsche Abenteurer und Menschenrechter Rüdiger Nehberg reiste über 2‘000 Seemeilen von Mauretanien nach Brasilien, um auf die Situation der dortigen Indigenen aufmerksam zu machen.  Und das auf einem 17 Meter langen, 350 Jahre altem Weißtannenstamm, den er mit Segeln und Auslegern bestückt hatte.

 

Kulturgeschichte

Für die frühen Völker unseres Kulturkreises war die Tanne ein Baum mit ausserordentlicher magischer Kraft, der vor Unheil schützen konnte. Hildegard von Bingen schrieb: «Die Tanne ist mehr warm als kalt und enthält viele Kräfte. Sie ist ein Sinnbild der Stärke. Geister hassen Tannenholz und vermeiden Orte, an denen sich solches befindet.»

Schon bei den alten Germanen war die Tanne wegen ihrer immergrünen Zweige ein Symbol für Lebenskraft, Wachstum und unerschöpflicher Fruchtbarkeit. Um die Wintersonnenwende wurden deshalb Tannenzweige vor die Häuser gelegt.

Früher war die Weiß-Tanne der beliebteste Weihnachtsbaum. Später wurde sie dann zunehmend durch die in ganz Deutschland vermehrt angepflanzte Fichte ersetzt.

Foto: instagram.com/arnumal
Das ist eine zweizeilige Bildunterschrift, um den Inhalt im Bild zu erläutern und somit besser verständlich zu machen.
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Andreas H.
Baumexperte und Dipl. Kulturanthropologe
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