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Linde. Ein Baumportrait

Tilia
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Andreas H.

Die Linde ist eine in Europa heimische Baumart. Sie war bereits vor etwa 4000 bis 7500 Jahren in unseren Wäldern verbreitet. Die Linde ist ein Baum mit einer reichen kulturellen Bedeutung. Sie wird in Volksliedern besungen und spielte eine wichtige Rolle im kulturellen Leben. Im ländlichen Raum hatte fast jedes Dorf eine Dorflinde. Sie stellte einen Ort dar, an dem man sich treffen, austauschen und feiern konnte. Die Linde trägt auch die Bedeutung als Baum der Liebe. Vielleicht, weil Ihre Blätter die Form von Herzen haben. Bei den Germanen wurden die Gerichtsverhandlungen unter den Linden abgehalten.

Heute ist die Linde als Park- und Alleenbaum in Städten sehr beliebt. Linden können ein Alter von bis zu 1000 Jahren erreichen. Lindenblüten sind eine beliebte Zutat für Tees und Aufgüsse. Steht die Linde in Blüte, zieht sie zahlreiche Insekten wie beispielsweise Bienen an. Linden haben deshalb auch eine wichtige ökologische Bedeutung. Die Winterlinde ist Baum des Jahres 2016. Und sie ist eine von 33 Favoriten für Stadtbäume der Zukunft.

 

Typisch für die Linde sind die herzförmigen Blätter und die Blüten.  

Linde Herkunft:

Es wird angenommen, dass Linden schon seit der oberen Kreidezeit – also seit 135 Millionen Jahren auf dem europäischen Kontinent vorkommen. Nach dem Ende der Eiszeit kam sie aus dem Osten bzw. dem Südosten wieder nach Europa zurück.

Linde Wuchs:

Die Linde erreicht eine Höhe von 25 bis 40 Meter. Der Stammdurchmesser liegt im Durchschnitt zwischen 0,6 und 1 Meter. Bei sehr alten Linden können diese aber auch 4 bis 5 Meter betragen. In Einzelfällen wurden schon Durchmesser bis 9 Meter gemessen. Im Freistand entwickelt die Linde einen typischen kurzen und dicken Stamm und eine koppelförmige Krone.

Linde Austrieb:

Ende April bis Anfang Mai.

Linde Blatt:

Herzförmig

Linde Blüte:

Von Ende Juni bis Mitte Juli

Linde Früchte:

Sind im September reif, spätestens Mitte Oktober

Linde Klassen:

Familie der Tiliaceae, Gattung Tilia, Sektion Anastraea, Untersektion Reticulares

Linde Varietäten:

Die Winterlinde wurde in der KLimaArtenMatrix für Stadtbaumarten und -sträucher  in der Kategorie Trockentoleranz als geeignet eingestuft werden und in der Kategorie Winterhärte mit sehr geeignet bewertet. Die einzige Linde, die in beiden Kategorien als sehr geeignet eingestuft wurde ist die Mandschurische Linde (Tilia mandshurica Rupr. et Maxim), die allerdings nicht heimisch ist.

Linde Giftstoffe:

Es sind keine Giftstoffe bekannt



Nutzen und Verwendung der Linde

Am bekanntesten ist die Linde wahrscheinlich für ihre Blüte. Tee und Aufgüsse aus Lindenblüten sind ein bekanntes Hausmittel gegen Erkältungen.

Linde in der Medizin:

Die Lindenblüten werden als Tee bei fiebrigen Erkältungen und trockenem Reizhusten verwendet. Die Blüten wirken schleimlösend und enthalten schweißtreibende Glycoside.  Traditionell werden die Blüten auch bei Schlaflosigkeit, Magenverstimmung und Herzklopfen eingesetzt. Die Lindenblüten heißen in der medizinischen und pharmazeutischen Fachsprache Tiliae flos. Sie enthalten bis zu 10% Schleimstoffe und sind reich an Flavonoiden und Gerbstoffen.

Linde in der Ernährung:

Die jungen Blätter der Linde sind essbar und haben ein fein säuerliches Aroma. Sie können in Salaten, Smoothies oder wie Spinat verwendet werden. Die Linde leistet einen wichtigen indirekten Beitrag für unsere Ernährung: Sie sind wegen ihrer großen Blütenpracht wichtig für Bienen. So gibt es auch speziellen Lindenblütenhonig.

Linde und Wellness:

Hildegard von Bingen beschreibt folgende Praxis: „Im Sommer soll man sich, wenn man schlafen gehet, mit frischen Lindenblättern die Augen und das ganze Gesicht bedecken. Das macht die Augen rein und klar“

Weitere Nutzung der Linde:

Das helle und weiche Holz wird für gerne Drechslerarbeiten, Schnitzereien und Bildhauerei verwendet.

Kulturgeschichte

Die Linde gehört zu den Bäumen mit der größten kulturellen Bedeutung im deutschsprachigen Raum. Im Gegensatz zur Eiche – die für das Kriegerische steht – ist die Linde der Symbolbaum für Liebe und Eintracht. So soll auch Martin Luther geschrieben haben: „Unter den Linden pflegen wir zu singen, trinken, tanzen und fröhlich zu sein. Nicht ernsten und streiten, denn die Linde ist uns ein Freude- und Friedensbaum“.

Lindenbäume stehen oft für Heimat und Geborgenheit. So stand früher in jedem Dorf eine Dorflinde. Linden wurden auch in Gedichte, Sagen und Liedern besungen. Bekannte Sagen und Gedichte und Lieder aus der deutschen Kulturgeschichte, die einen Bezug zur Linde haben sind folgende (Auswahl):

  • Die Siegfridsage aus dem Nibelungenlied
  • Das Volkslied die linden Lüfte sind erwacht von Ludwig Uhland und Franz Schubert
  • Under der linden von Walther von der Vogelweide
  • Am Brunnen vor dem Tore da steht ein Lindenbaum von Wilhelm Müller
  • Das Lied Vor meinem Vaterhaus steht eine Linde

 

Die Linde stand auch Pate bei der Namensgebung vieler deutscher Städte. So verdanken rund 1000 Orte oder Ortsteile diesem Baum ihren Namen. Ein Beispiels ist Leipzig. Es leitet sich vom sorbischen Wort Lipsk an und bedeutet Linden-Ort. Eine bekannte Linde steht in Sehnde und wird noch heute als Liebeslinde besucht.

 

Foto: instagram.com/arnumal
Das ist eine zweizeilige Bildunterschrift, um den Inhalt im Bild zu erläutern und somit besser verständlich zu machen.
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Andreas H.
Baumexperte und Dipl. Kulturanthropologe
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